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Es fing alles am Donnerstag, den 02.03.2017 an, als ich während eines Einsatzes einen epileptischen Anfall erlitten habe. Dies geschah in Wien in der fahrenden U-Bahn der Linie U3. Selbst bemerkte ich diesen Anfall nicht, ich war einfach nur weg. Ein Kollege von mir, welcher sich ebenfalls in dieser U-Bahngarnitur befand, hatte per Funk den anderen mitgeteilt, dass eine Person umgefallen sei und er Nachschau halten werde. Dabei musste er feststellen, dass ich diese Person war, welche am Boden lag und unter Krämpfen litt. Ich war ca. zehn Minuten ohne Bewusstsein und wurde erst wieder wach, als ich auf dem Fliesenboden vom Bahnsteig der Station „Zieglergasse“ lag und der Rettungsdienst bereits vor Ort war. Beim erlangen des Bewusstseins hatte ich sehr starke Rückenschmerzen (welche ich auch noch ein paar Wochen später, auf Grund der starken Krämpfe, hatte) und einen sehr schmerzhaften Zungenbiss auf beiden Seiten (ich hatte links und rechts Blutrinnsale bis zum Hals hinunter). Ich befand mich generell in einem verwirrten Zustand und wusste nicht was los war. Auch die Schaulustigen bemerkte ich überhaupt nicht. Mittels Rollstuhl wurde ich aus der U-Bahn-Station gefahren und mit dem Rettungswagen ins Kaiser-Franz-Josef Spital gebracht.

Dort angekommen wurde ich dann in die Notfall-Ambulanz gebracht, auf ein Krankenbett gelegt und ich bekam sogleich eine Infusion und irgendwelche Medikamente verabreicht. Mir war sofort klar, dass sich der Grund für meinen epileptischen Anfall in meinem Kopf befindet, da ich noch nie zuvor so etwas hatte und auch sonst, was meinen Kopf betrifft, immer beschwerdefrei war. Nach ca. einer Stunde Wartezeit wurde ich schließlich in die neurologische Abteilung überstellt und stationär aufgenommen. Am selben Tag wurde dann noch eine MD-CT (Multi-Detektor Computertomographie) meines Gehirns gemacht.

Allgemeiner Tipp: Einfach mit dem Mauszeiger/Finger das Video anhalten bzw. Steuern, damit die Vorgänge besser nachvollziehbar sind.

Danach war es dann auch schon spät abends und ich musste meiner Frau, die von diesem Vorfall ja noch nichts wusste, telefonisch mitteilen, dass ich im Spital liege und dort über Nacht bleiben muss. Sie war, wie nicht anders zu erwarten, außer sich vor Sorge und wollte wissen, was geschehen ist. Da ich selbst überhaupt keine Ahnung hatte und nicht wusste was mit mir los war, konnte ich ihr nur sagen, dass es mir gut geht und sie sich keine Sorgen machen solle. Alles wird gut versprach ich ihr.

Gott sei Dank war ich zu diesem Zeitpunkt schon sehr müde und ich fiel kurz nach diesem Telefonat in einen tiefen Schlaf. Meine Frau verständigte derweil meine Eltern und meinen Bruder.

MD-CT (Multi-Detektor-Computertomographie)

Am nächsten Morgen ging es dann weiter mit dem Untersuchungsprozedere. Mir wurde Blut abgenommen, es wurden alle möglichen Tests durchgeführt, darunter auch neurologische Tests wie EEG (Elektroenzephalographie zur Messung der Hirnaktivität) und natürlich auch eine MRT (Magnetresonanztomographie) mit Kontrastmittel, da bei der MD-CT leider eine Raumforderung erkennbar war.

MRT (Magnetresonaztomographie)

Nach dem ganzen Prozedere kam dann schließlich ein junger Arzt zu mir ins Krankenzimmer und teilte mir die Diagnose und somit den Grund für meinen Anfall mit.

Er sagte: „Herr Supper, ich bedaure es ihnen mitteilen zu müssen, aber sie haben einen Hirntumor und auf Grund der Raumforderung (Tumor war bereits sehr groß) im Gehirn wurde der epileptische Anfall ausgelöst.“

Tja, bei der MRT mit Kontrastmittelabgabe war der Tumor nicht mehr übersehbar

Am Anfang habe ich das Ausmaß dieser Diagnose nicht wirklich realisiert und fragte einfach nur wie es nun mit mir weitergehen wird. Tja, mit solch einer Antwort hat er eigentlich nicht gerechnet und wunderte sich darüber, wie gelassen ich diese Diagnose verkraftet habe. Aber was hätte ich schon machen sollen? In Tränen ausbrechen und die Frage aller Fragen stellen: „Wie lange habe ich noch…?“  Vielleicht war es genau diese Art von Emotion, mit der er gerechnet hat. Eigentlich war ich mir selbst über die Tragweite des Ganzen überhaupt nicht bewusst und auch nicht über das, was mir bevorstand.

Mir wurde erst viel später klar, wie schlimm diese Diagnose wirklich war und wie das Ganze enden könnte. Ich bin ein sehr optimistisch denkender Mensch und sehe meistens das Positive in der Welt und somit ließ ich alle weiteren Untersuchungen einfach über mich ergehen und klinkte mich diesbezüglich komplett aus.

Selbstverständlich habe ich trotz meiner positiven Einstellung zum Nachdenken angefangen. Was ich alles erlebt habe, was ich noch erleben werde und vor allem natürlich, dass ich am Leben bleiben möchte. Ich habe auch angefangen über meinen Beruf, meine familiäre Situation und wie überhaupt alles weitergehen soll, nachzudenken. Meist wird einem erst mit so einer Diagnose klar, wie kostbar das ganze Leben wirklich ist und wie schnell alles vorbei sein kann.

Bis zu diesem Zeitpunkt war Krebs für mich ein Fremdwort, da ich ja eigentlich ein sehr gesund lebender Mensch bin und daher nie auf den Gedanken gekommen wäre, dass es auch mich erwischen könnte. Tja, unverhofft kommt oft und nun bin ich ebenfalls ein „Krebskranker“. Ich habe von Anfang an versucht, mich damit zu arrangieren und das Beste daraus zu machen und was ich absolut nicht leiden kann ist, wenn andere zu mir sagen: „Mein Gott bist du arm“, „Du bist ja noch so jung“, und so weiter…

Aber ich fange jetzt schon an abzudriften, somit zurück zum Spital. Ich wurde zwischen meinen Untersuchungen glücklicherweise immer wieder von meiner Familie, von Freunden und Kollegen besucht, was für mich eine sehr willkommene Abwechslung war und mich sehr gefreut hat. Nur Kartenspielen, in meinem Fall das Schnapsen, war dann doch etwas zu viel für mich, da ich seit meinem Anfall eine ziemliche Denk-/Konzentrationsschwäche und enorme Wortfindungsstörungen hatte. Gewonnen habe ich somit nie. Das Spitalsessen hat mich zwar nicht vom Hocker gehauen, meine Frau kocht einfach zu gut, aber schlecht war es auch nicht.

Des Weiteren wollte ich mich, auf Grund dieser doch recht heftigen Diagnose, selbst belohnen und kontaktierte Dmitry Nechaev von tritonbikes, welcher in Moskau lebt und Maß-Titanrahmen auf Kundenwunsch fertigt. Dmitry bietet nämlich hervorragende Qualität zu einem einigermaßen fairen Preis an und ich hatte ihn schon länger auf meinem Radar. Gut, andere werden sich denken, waaas, für dieses Geld bekommt man ja schon ein…

Lustiges Werbevideo von Triton-Bikes

Quelle: tritonbikes

Damit und mit streamen von Filmen konnte ich mir ein bisschen die Zeit vertreiben. Auch erstellte ich eine WhatsApp-Gruppe wo ich meine engsten Freunde auf dem Laufenden halten konnte. Zuerst haben sich alle gefreut und waren begeistert, dass ich eine Freunde-Gruppe erstellt habe, jedoch als ich ihnen dann den Grund für diese Gruppe mitteilte, wich die Freude dem Entsetzen, denn damit hat natürlich niemand gerechnet.

Bei den Untersuchungen kam dann letztendlich heraus, dass ich höchstwahrscheinlich ein anaplastisches Oligodendrogliom WHO Grad III oder höher (Glioblastom nicht ausschließbar) habe, welcher links hochfrontal, stirnseitig sitzt. Da es sich dabei um einen raumfordernden Tumor handelte, musste ich auch Fortecortin (Cortison) schlucken damit die Schwellung im Gehirn reduziert wird und dazu noch einen Magenschutz namens Pantoloc 40mg. Gegen die epileptischen Anfälle musste ich morgens und abends Levetiracetam 500mg einnehmen. Der Tumor selbst war sehr groß und hatte die Maße von 7,2×3,6×4,5 cm. Fakt war jedoch, dass er operabel war, was schon mal sehr positiv war und ehest bald entfernt werden sollte. Ansonsten hätte mein Leben ein sehr frühes Ablaufdatum.

Mit dieser Erkenntnis wurde ich schließlich am 08.03.2017 aus der neurologischen Station entlassen und wartete von da an auf eine telefonische Nachricht bezüglich Operationstermin. Auf Grund des epileptischen Anfalles durfte ich außerdem für ein Jahr nicht Auto fahren und wurde somit von meiner Frau abgeholt.

Am 09.03.2017 wurde dann beim Tumorboard in der Neurochirurgie Rudolfsstiftung in Wien mein Fall besprochen und die Tumorexperten kamen zum Entschluss, dass ich nicht in Wien operiert werden kann beziehungsweise werden sollte da es unklare Resektionsränder zwischen Tumorgewebe und gesundem Gewebe gab. Mein Fall wurde weitergereicht nach Linz an die Johannes-Kepler-Universitätsklinik Neuromed Campus, da dort ein moderneres Gerät für solch einen Eingriff zur Verfügung stand. Moderner aus diesem Grund, da dort während der Operation MRT´s durchgeführt werden können und daher der Chirurg genauer arbeiten / operieren kann. Inzwischen, so wurde es mir zumindest mitgeteilt, ist in Wien auch so etwas in Planung. Selbstverständlich wurde ich gefragt ob ich damit einverstanden bin, in Linz operiert zu werden, aber diese Frage kam mir eigentlich eher lächerlich vor, denn in diesem Moment wäre ich auch bereit gewesen nach Australien zu fliegen, wenn ich dort die beste medizinische Versorgung gehabt hätte.

Irgendwie ist es schockierend wie schnell es gehen kann: Ein sehr gesund lebender Mensch, welcher meistens mit dem Rad (auch im Winter) von Möllersdorf nach Wien in die Arbeit gefahren ist, an Schwimmwettbewerben teilgenommen hat (2x Backwaterman 7km, PSV Schwimmmeisterschaften), voll im Leben stand und nie Beschwerden gehabt hat, ist plötzlich schwer krank. Ich wurde oft von Ärzten und Bekannten gefragt ob ich nicht vorher irgendetwas bemerkt habe oder unter Kopfschmerzen litt. Dies war jedoch nicht der Fall und wenn man halbjährlich mal etwas Kopfweh hat, macht man sich darüber auch keine Gedanken. Im Nachhinein kann ich sogar sagen, dass ich sehr viel Glück gehabt habe, da ich ein paar Minuten vorher noch mit dem Auto gefahren bin. Hätte ich diesen Anfall während der Autofahrt gehabt, hätte es ganz anders ausgehen können und ich hätte schlimmstenfalls sogar andere Personen verletzen oder gar töten können.

Da ich mich nun seit dem 02.03.2017 im Krankenstand befand, konnte ich die verbleibende Zeit bis zur Operation mit meiner Familie genießen. Meine Frau war nämlich zu der Zeit in Karenz und wir hatten, trotz aller Umstände, eine sehr schöne Zeit. Auch konnten wir ihren Geburtstag feiern und allerlei unternehmen.