Seite wählen

Am Freitag, den 07.04.2017 wurde ich relativ früh geweckt. Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, aber ich glaube es war so gegen 05:00 Uhr. Mir wurde abermals eine Beruhigungstablette verabreicht und zusätzlich noch eine Infusion. Danach wurde ich dann auch schon abgeholt und durch die unterirdischen Gänge zum Ort des Geschehens, also dem Operationssaal, gebracht. Dort wurde ich von einem ganzen Ärzteteam empfangen. An mehr kann ich mich leider nicht mehr erinnern, dazu waren die Medikamente und die Infusionen offensichtlich zu effektiv…

Operationssaal

Hirntumorpatient

Neurochirurg bei der Arbeit

MRT im Operationssaal

Hirntumorpatient beim MRT

Quelle: Pressestelle Kepleruniklinikum

Der operative Eingriff verlief zum Glück ohne Komplikationen, der Tumor konnte weitestgehend entfernt werden und ich wurde um ca. 19:00 Uhr in der Intensivstation wach. Dafür möchte ich meinem Chirurgen und seinem Team nochmal meinen herzlichsten Dank aussprechen, denn eine so langwierige und fordernde Operation verlangt einem sicher eine Menge ab.

Des Neurochirurgen technische Helferlein – Neuronavigation (und ja, dass bin ich)

Quelle: Pressestelle Kepleruniklinikum

Die Tage auf der Intensivstation vergingen relativ schnell und meine Frau hat mich bereits am 08.04.2017 besuchen dürfen. Obwohl ich mich sehr über den Besuch gefreut habe, konnte ich es zu dem Zeitpunkt weder zeigen noch aussprechen, da ich noch zu erschöpft von der doch sehr langen Narkose und Operation war. Sie ist einfach nur still neben mit gesessen und hat einfach nur meine Hand gehalten. Ich kann mich auch erinnern, dass ich einmal erbrochen habe und die Intensivkrankenschwester mich deshalb reinigen musste. Dies hat sie auch meiner Gattin mitgeteilt und es dürfte offensichtlich nicht so ungefährlich gewesen sein da ich auf dem Rücken lag und am Erbrochenen ersticken hätte können. Auch wurde ich immer wieder gefragt ob ich weiß wo ich mich befinde, worauf ich leise antwortete, dass ich in Linz bin. Dies reichte den Ärzten leider nicht und es wurde gefragt in welchem Spital ich mich befinde und ich antwortete darauf, dass ich mich im Kaiser-Franz-Josef Spital (Wien) befinde. Tja, das wurde ich so oft gefragt bis ich die richtigen Antworten lieferte. Außerdem hatte ich auf beiden Beinen im Waden/Fußbereich  pneumatische Kompressionsmanschetten angelegt bekommen, welche sich immer stückweise mit Luft füllten damit die Blutzirkulation unterstützt wird. Es hat nervig gebrummt beim Aufblasen und gezischt beim Ablassen der Luft, und generell, es waren nicht die komfortabelsten Manschetten. Einmal habe ich es gewagt sie selbst irgendwie (meine Bewegungsfreiheit war durch die vielen Kabel und Schläuche stark eingeschränkt) abzunehmen, aber die Intensivkrankenschwester hat dies relativ rasch mitbekommen und sie mir leider wieder, mit den Worten „muss sein“, angelegt. Meine Frau hatte zu mir im Nachhinein gesagt, dass ihr die Intensivkrankenschwester gesagt hatte, dass ich offensichtlich nicht der gesprächigste bin und apathisch auf sie wirke, aber ich denke, sie wusste auch nicht, dass ich mich ca. zwölf Stunden unter Narkose befand und mir das Sprechen wirklich sehr schwer fiel…

Frisch nach dem operativen Eingriff, daher sieht es auch noch so „zerfranst“ aus.

Oben

Seite

Am Sonntag, dem 09.04.2017 so gegen Nachmittag wurde ich wieder auf die Normalstation verlegt. Aufstehen und gehen war nicht möglich. Außerdem hatte ich seit der Operation einen Blasenkatheter, der wirklich unangenehm und manchmal sogar etwas schmerzhaft war. Zwar wusste ich, dass, ich so etwas bekommen werde und kannte es von meinem Vater, welcher Prostatakrebs hatte und deswegen operiert wurde, was ich jedoch nicht wusste war, dass ich meinen Harn nicht mehr unter Kontrolle haben würde. Immer war dieser ekelhafte Beutel an meiner Seite, wo es immer wieder rein plätscherte und er musste vom Pflegepersonal ständig entleert werden. Die Krankenschwestern konnten daran natürlich ablesen, dass ich nicht genug getrunken habe und ich wurde daher ständig mit Infusionen versorgt. Die Venenkatheter, welche ich während der Narkose an beiden Händen und Füßen angelegt bekommen habe, wurden zum Glück noch vor der Aufwachphase wieder entfernt. Zurück blieben nur rote Punkte, welche deutlich zeigten, dass da was war. Der Katheder in der Armbeuge und ein zetraler Venenkatheder rechts im Bereich unterhalb des Schlüsselbeines, sind mir jedoch geblieben. Dieser zentrale Venenkatheder war sozusagen der Hauptkatheder, welcher an einer sehr dicken Vene unmittelbar vor dem Herzen angeschlossen war. Dieser hatte drei oder vier Anschlüsse, so dass mehrere Infusionen parallel laufen konnten. Durch diesen bekam ich immer meinen Flüssigkeitsausgleich, künstliche Ernährung und natürlich etwas gegen die Schmerzen. Mein Kopf bestand oberhalb der Augen eigentlich nur aus weißem Verband. Wer die Zeichentrickserie „Calimero“  kennt, wird wissen wie ich ausgesehen habe. Aus diesem weißen Verband führte jedoch auch noch ein dünner transparenter Schlauch heraus, welcher irgend eine rote Flüssigkeit aus meinem Kopf heraus leitete. Um was es sich genau gehandelt hat weiß ich nicht, da ich nicht gefragt habe, aber ich denke es diente zum Abtransport von Blut und Hirnwasser. Leider kam ich erst relativ spät auf die Idee, dass ich darüber schreiben möchte und daher gibt es auch keine Fotos.

 

Auf der Normalstation hatte ich leider nicht mehr das angenehme Zweibettzimmer wie vor der Operation, sondern ein Sechsbettzimmer welches noch dazu unangenehm hell war, da die Vorhänge alle offen standen und die Nachmittagssonne ungehindert hineinscheinen konnte. Meine persönlichen Gegenstände wurde ebenfalls in dieses große Zimmer gebracht. Auch hatte ich nun nicht mehr einen Zimmerkollegen, sondern gleich drei, die leider nicht sehr viel Rücksicht auf mich nahmen. Auf meine Bitte, die Vorhänge etwas zuzuziehen, gingen sie leider nicht ein. Von diesen dreien hatten zwei die Operation noch vor sich und sie verstanden sich alle prächtig. Sie sprachen und lachten wirklich sehr laut und es ging in diesem Zimmer zu wie in einem Wirtshaus. Selbst meine Frau, welche mich täglich besuchte, war entsetzt über dieses Benehmen. Aber sie konnte mich immerhin damit trösten, dass es unserer Tochter sehr gut ging und sie sich in Linz mit ihren Großeltern sehr wohl fühlt. Sie hatten ihre Unterkunft etwas außerhalb von Linz in unmittelbarer Nähe zur Donau. Sie zeigte mir immer Fotos auf dem Handy welche mein Herz lachen ließen. Auch hatte ich keine der befürchteten operativen Nebenwirkungen. Ich liebte meine Familie nach wie vor und alles andere wird die Zeit schon richten. Als es dann schließlich Abend wurde und endlich die Krankenschwester ins Krankenzimmer kam war selbst sie über diesen Lärm überrascht und zugleich fassungslos und bat die Herrschaften sich etwas zu mäßigen. Auch sie sagte, dass es in diesem Zimmer schlimmer als in einem Wirtshaus zugeht und fragte mich sogleich ob ich gerne wo anders liegen würde. Ich war sehr glücklich über dieses Angebot, bejahte diesen Vorschlag und wurde sofort in ein Vierbettzimmer verfrachtet wo bereits die abendliche Ruhe eingekehrt war.

 

Dieses Zimmer war genau das Gegenteil zum vorherigen. Die drei Personen mit denen ich das Zimmer teilte hatten ebenfalls schon eine Operation hinter sich, waren sehr höflich und es war angenehm leise (es hat auch niemand geschnarcht). In meiner Altersklasse war ich nach wie vor ein Einzelgänger, da die anderen in meiner Etage schon deutlich mehr Jahre auf dem Buckel hatten. Was aber auch gut war, denn ich wünsche niemanden, egal ob alt oder jung, dass er mit mir dieses Schicksal teilen muss. Essen und Trinken funktionierte bei mir nach wie vor nicht, meistens lag ich nur da und sah das vor mir liegende Essen an. Manchmal vergaß ich sogar darauf, dass vor mir etwas zum Essen stand. Ich hatte irgendwie einen leeren Blick und bekam somit weiterhin meine Infusionen. Doch das alles war mir ziemlich egal, da ich sehr glücklich über die erfolgreiche Operation war und überhaupt keine Handicaps hatte. Ich konnte meine Füße und Hände bewegen, konnte selbstständig atmen, hören, riechen, fühlen, schmecken und sehen. Das Alles ist nicht selbstverständlich nach solch einem Eingriff. Da ich leider noch nicht mobil war, wurde ich gelegentlich von einer Krankenschwester gewaschen, was ebenfalls ungewohnt und neu für mich war. Meistens lag ich im Krankenbett in der gleichen Position, da ich es nicht wagte, mich mit dem Kopf auf die operierte Stelle zu legen. Die Krankenschwestern fingen allmählich an sich Sorgen zu machen, da ich möglicherweise Wundliegen könnte. Außerdem waren da immer noch dieser sonderbare Schlauch, welcher aus meinem Kopf herausführte, der Blasenkatheter und die lästigen Drainagen.

 

Am Montag den 10.04.2017 war es aber dann soweit, die pneumatische Kompressionsmanschetten wurden endlich abgenommen. Es war ein herrliches Gefühl und ich wollte gleich mal die ersten Gehversuche starten. Hört sich toll an, war es jedoch leider nicht. Ich hatte ganz einfach überhaupt keine Kraft und hatte schon Mühe überhaupt aufrecht zu sitzen. Dazu gesellten sich auch noch Kreislaufprobleme, welche sich in Form von Schwindel bemerkbar machten. Von da an habe ich mich mit dem Blasenkatheter abgefunden, da er doch nütztlich war, denn auf die Toilette konnte ich, auch mit fremder Hilfe, noch nicht gehen. So lag ich weiter in derselben Position wie bisher und genoss die täglichen Besuche meiner Frau. Auch sie war sehr froh, dass die Operation so gut von statten ging und mir alle Sinne erhalten geblieben sind. Das Sprechen fiel mir inzwischen auch etwas leichter, jedoch litt ich weiterhin unter extremen Wortfindungsstörungen, Gedächtnislücken und merken konnte ich mir auch nicht viel. Es kam sehr oft vor, dass ich während eines Gesprächs plötzlich aufhörte zu sprechen, da mir ein Wort nicht einfiel. Dann versuchte ich, so gut es ging, es irgendwie anders zu erklären. Dies funktionierte manchmal gut und manchmal überhaupt nicht.

 

Der Blasenkatheter und der sonderbare Schlauch, der aus meinem Kopf führte, wurden schließlich am folgenden Tag dem 11.04.2017 entfernt. Die Krankenschwester, welche mir die Schläuche rauszog erklärte mir, dass ich, wenn sie zu Ziehen anfängt, ausatmen soll. Dies funktionierte leider nicht so wirklich da ich immer die Luft zu rasch ausblies, bevor sie überhaupt anfing. Beim Kopf war es nicht so schlimm, es war einfach nur unangenehm, aber erträglich, jedoch beim Blasenkatheter zog sich in mir alles zusammen. Es war sehr, sehr unangenehm und schmerzhaft, jedoch auch ein sehr befreiendes Gefühl. Danach begab ich mich mit Hilfe einer Krankenschwester gleich auf die Toilette und wunderte mich sogleich, dass beim Harnlassen erst mal nur Luft herauskam. Es hat richtig gepfiffen. Auch die ersten Gehversuche verliefen durchaus positiv und ich konnte mit einem Rollstuhl als Gehhilfe und in Begleitung eines Physiotherapeuten die Station abfahren. Als mich meine Frau besuchte und sie meine ersten Gehversuche sah, hatten wir beide Tränen in den Augen, da wir beide so glücklich über die Fortschritte waren. Auch trafen wir gelegentlich eine junge Dame, welche offensichtlich ebenfalls einen Hirntumor hatte (selber Kopfverband), die ebenfalls in der Station ihre Runden zog. Wir lächelten uns immer gegenseitig an, angesprochen haben wir sie jedoch nicht.

 

Mein Kopfverband wurde täglich von einer Krankenschwester abgenommen und die Wunde mittels feuchtem Tupfer gereinigt. Nach der Reinigung bekam ich wieder einen frischen Verband angelegt.

 

Inzwischen werdet ihr euch vielleicht fragen, warum mich nur meine Frau besuchen kam und sonst niemand. Nun, ich habe, bevor ich nach Linz gefahren bin, mit meinen Eltern und Freunden vereinbart, dass ich keine Besuche möchte. Ich brauchte Ruhe und wollte aus diesem Grund nur meine Frau sehen. In dieser Zeit habe ich nämlich sehr oft miterlebt, wie ein Patient von Verwandten und Freunden belagert wurde. Keine Ahnung ob es ihm Recht war, ich wollte dies jedoch nicht. Es gab jedoch einen sehr guten Freund von mir, der zugleich auch ein Kollege ist, welcher sich nicht an diese Abmachung gehalten hat, dieser schlimme Schlingel. Ich sagte ihm das ich in Linz operiert werde, wusste jedoch nicht, dass es dort zwei Kepler-Universitätskliniken gibt. Da wir einmal beruflich in der Weißenwolffstraße tätig waren und sich daneben die andere Klinik befand, sagte ich ihm, dass ich mich dort befinden werde. Wir haben nämlich immer gegenüber beim Bäcker „Haubis“  gefrühstückt. Ja, und dort suchte er mich dann auch, nur konnte er mich nicht finden. Da er selbst immer seine Tante im Altenheim in Linz besucht war es für ihn nicht so tragisch. Er wollte mich einfach nur überraschen.

 

Auch Dmitry Nechaev von tritonbikes habe ich über die erfolgreiche Operation informiert und über meine Fortschritte am Laufenden gehalten. Die Kommunikation verlief jedoch in Englisch und dies war für mich nach dem operativen Eingriff eine echt große Herausforderung.

 

Am 12.04.2017 konnte ich dann auch schon mit meiner Frau zur Cafeteria gehen. Einen Rollstuhl benötigte ich inzwischen nicht mehr, jedoch hatte meine Frau ihn zur Sicherheit immer mit. Wir tauschten allerlei Neuigkeiten aus, tranken Kaffee und aßen Eis. Mein Appetit war nämlich auch wieder da und ich habe meine servierten Mahlzeiten nicht mehr nur angesehen, sondern auch ganz brav aufgegessen. Ich konnte auch selbstständig auf die Toilette und zur Dusche gehen, somit konnte ich sagen, dass es mit mir wirklich bergauf ging. Wenn ich zu Nachuntersuchungen (wieder einmal MRT, CT, EEG,…) musste, war ich trotzdem immer in Begleitung eines Pflegers, welcher jedoch meistens nur einen leeren Rollstuhl langsam vor sich herschob. Langsam deswegen, da ich trotz allem noch sehr schwach und wackelig war. Die Zeit zwischen den Untersuchungen und den täglichen Besuchen meiner Frau verbrachte ich mit lesen und streamen von Filmen, aus Rücksicht auf meinen Zimmerkollegen natürlich nur mit Kopfhörer. Nun musste ich an diesem Tag wieder das Zimmer wechseln und befand mich wieder im Zweibettzimmer, wo ich schon vor dem operativen Eingriff gelegen bin. In diesem Zimmer befand sich bereits ein anderer Herr, der noch auf seine Operation wartete. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, glaube aber, dass er etwas Ähnliches hatte wie der andere Patient, welcher vor der Operation in diesem Zimmer lag. Mein neuer Zimmerkollege wurde jedoch ständig von seiner Familie belagert, so dass ich freiwillig das Zimmer verließ. Es war nämlich kein großes Zimmer und durch die ganzen Besucher wurde es dann doch recht eng. Außerdem überforderten mich nach der Operation Menschenmassen sehr rasch und ich ermüdete relativ schnell. An diesem Tag wurde auch der Hauptkatheder beim rechten Schlüsselbein und der Venenkatheter, welcher sich in der Armbeuge befand, entfernt. Der Venenkatheter in der Armbeuge war erträglich. Beim Hauptkatheder hat die Krankenschwester mir abermals mitgeteilt, dass ich, wenn sie zu Ziehen anfängt, ausatmen soll. Wie beim Blasenkatheter, war auch dieses entfernen sehr schmerzhaft und es zog sich wieder alles in mir zusammen.

 

Zum Schluss hatte ich dann noch einen Termin beim Chirurgen, welcher mich operierte. Er war beeindruckt, dass ich bereits so mobil war und fragte mich ob ich irgendwelche Beschwerden habe, aber er merkte selbst, dass es beim Finden der richtigen Wörter Probleme gab. Ansonsten war ich eigentlich ganz der Alte, nur etwas geschwächter und langsamer…

 

Auch teilte er mir mit wie die Operation verlaufen ist, dass während der Operation zwei MRT´s durchgeführt wurden und er ging mit mir die Untersuchungsergebnisse durch. Er zeigte mir auch die Bilder von der MRT vor und nach dem operativen Eingriff.

MRT mit Kontrastmittel nach der Operation