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Am Donnerstag den 13.04.2017 war dann Abreisetag. An diesem Tag kamen neben meiner Frau auch meine Mutter und unsere kleine Tochter zu mir ins Spital. Meine Frau half mir, nach der Arztvisite, die Sachen zu packen und dann verabschiedeten wir uns beim Krankenhauspersonal. Anschießend begaben wir uns in die Cafeteria, da wir noch einen Termin beim Onkologen hatten. Unsere kleine Tochter und meine Mutter freuten sich sehr, als sie mich wieder sahen, was auf mich natürlich auch zutraf. Nach ca. einer Stunde ging ich dann im Beisein meiner Frau zum Onkologen. Der teilte uns die Diagnose mit, dass es sich bei meinem Tumor um ein anaplastisches Oligodendrogliom WHO Grad III handelte. Jedoch handelte es sich um irgendeine Mischform, so dass ein Glioblastom nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden konnte. Aus diesem Grund empfahl er mir eine kombinierte Radiochemotherapie welche bei einem Glioblastom als Standardtherapie gilt. Die Levetiracetam Tabletten, welche ich gegen die epileptischen Anfälle morgens und abends einnehmen muss, sollte ich, laut seiner Empfehlung, ein Leben lang nehmen. Die weitere Betreuung findet dann wieder im Kaiser-Franz-Josef Spital in Wien statt. Wir verabschiedeten uns und dann fuhren meine Frau, unsere Tochter und ich nach Hause.

Im Gepäck hatte ich einen Implantatpass, ein paar CD´s mit den Bildern von der FET-PET, der CT und der MRT, einen Arztbrief sowie ein Merkblatt für Patienten nach Schädeloperationen welchen ich befolgen musste (für die Dauer von sechs bis acht Wochen).

Auf diesem Merkblatt stehen folgende Punkte:

*) Vermeiden Sie körperliche und psychische Anstrengung

*) Nicht ohne Kopfbedeckung in die pralle Sonne

*) Nicht in die heiße Badewanne legen

*) Vermeiden Sie schweres Heben

*) Vermeiden Sie Pressatmung

*) Nicht kopfüber bücken

*) Kein Solarium

*) Keine Sauna

Zu Hause angekommen war ich erst mal sehr froh, wieder da zu sein. Ich bin kein Mensch welcher Spitäler verabscheut, aber zu Hause ist nun mal zu Hause und dort kann man sich meiner Meinung nach am besten erholen, und das hatte ich dringend notwendig. Auch hatte ich nach wie vor einen Kopfverband und die Nähte, welche jedoch am 17.04.2017 vom Hausarzt entfernt wurden.

Ich war jedoch nicht bei meiner eigentlichen Hausärztin, sondern bei einer Vertretung, da sie an diesem Tag auf Weiterbildung war. Die Vertretung entfernte die Nähte leider nicht ordentlich und ich konnte mir nach ca. zwei Wochen noch immer einzelne Fäden rausziehen, was zwar nicht schmerzhaft, dafür aber sehr lästig war. Die Wundheilung verlief komplikationslos und ich habe von nun an eine sehr große Narbe auf dem Kopf welche am linken Ohr anfängt und über einen weiten Bogen bei der Stirn einmündend wieder endet. Dazu mein Kompliment an den Arzt, welcher mich genäht hat, die Narbe ist überhaupt nicht wulstig. Zwar musste ich mich erst mal an sie gewöhnen, aber nach einiger Zeit fing ich an, sie zu akzeptieren. Die Narbe ist von nun an ein Teil von mir und ich finde sie steht mir sogar ausgesprochen gut. Was ich nach dem Entfernen des Kopfverbands und der Nähte feststellen musste ist, dass ich ein paar Implantatschrauben deutlich fühlen konnte und diese, wenn man dagegen Druck ausübte, stark schmerzten. Jetzt kann ich mir auch vorstellen, wie schmerzhaft ein neues künstliches Gelenk sein muss. Ebenfalls konnte ich nun die Fixierungsnarben, mein Kopf wurde während der Operation fest verschraubt, erkennen. Beim Schlafen bemerkte ich dann doch eine kleine Veränderung: Manchmal verspüre ich ein leichtes kribbeln am rechten Bein, manchmal unangenehm und ab und zu nur leicht wahrnehmbar. Dies ist aber eigentlich eine Kleinigkeit, wenn man an die ganzen Schauergeschichten im Internet denkt.

Bilder wo die Implantate grob ersichtlich sind (auch die Nähte und die Bohrungen)

An Wortfindungsstörungen, Gedächtnislücken, rasche Ermüdung, geringer Merkfähigkeit usw… litt ich nach wie vor. Dies ging sogar so weit, dass ich in manchen Situationen nicht mehr wusste, wie ich handeln soll. Als Beispiel: Ich habe ein Glas Wasser ausgeschüttet und wusste nicht was ich danach machen musste. Erst als meine Frau mir erklärt hatte, wie ich es angehen solle, wusste ich weiter. Somit musste ich einfache Arbeitsabläufe im Alltag von Grund auf wieder neu lernen. Irgendwie fand ich das schon sehr schockierend und zermürbend, aber meine Frau tröstete mich so gut es ging und erinnerte mich immer wieder daran, dass ich eine schwere Kopfoperation hinter mir habe und dies ganz normal sei. Sie ist wirklich eine beachtliche Person und ich bin sehr froh sie an meiner Seite zu haben. Ansonsten genoss ich das zu Hause sein sehr und wir gingen regelmäßig spazieren. Außerdem ist unsere kleine Tochter ein richtiger Sonnenschein, welcher uns immer wieder aufmuntert und zum Lachen bringt.