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Am Mittwoch den 19.04.2017 musste ich mich, laut Arztbrief, bei der neurologischen Ambulanz des Kaiser-Franz-Josef Spitals vorstellen. Weiters stand in diesem Arztbrief, dass mit Wartezeiten von drei bis fünf Stunden zu rechnen sei. Somit machte ich mich Mittwochmorgens mit eBook und Tablet im Gepäck auf den Weg nach Wien. Dort angekommen meldete ich mich erst mal am Schalter an und nahm Platz. Es hat keine fünfzehn Minuten gedauert und ich wurde von meiner Onkologin aufgerufen. Somit hatten sich eBook und Tablet erübrigt und ich kam schneller dran als gedacht. Meine onkologische Ärztin ist eine sehr freundliche Person und hat mich über den weiteren Verlauf aufgeklärt und mir, wie bereits der Onkologe in Linz, eine kombinierte Radiochemotherapie empfohlen, da ein Glioblastom nicht ausschließbar ist.

Für mich bedeutete dies, dass ich voraussichtlich 30 mal bestrahlt werden würde (täglich, außer Samstag, Sonntag und Feiertag) und in dieser Zeit die Chemotherapie (durchgehend in geringer Dosis) in Kapselform einnehmen würde. Nach Abschluss der Strahlentherapie folgt eine 28 tägige Pause und dann fangen die richtigen Chemozyklen an. Aber erstmal alles der Reihe nach.

Ich wurde von der Onkologin gemessen (168cm) und gewogen (66kg) und mittels Computerprogramm hat sie dann die richtige Dosierung des Chemotherapeutikums ermittelt, welche ich während der Bestrahlungszeit, die ca. sechs Wochen dauern würde, einnehmen muss. Die Dosierung richtet sich nach der Körperoberfläche. Bei mir hat sie aus diesen Daten 1,74qm errechnet, womit sie dann letztendlich die Dosierung ermittelt hat. Bei den Kapseln handelt es sich um Temozolomid (Handelsname Temodal), ein zytostatisches Chemotherapeutikum. Außerdem muss ich während der Bestrahlungszeit wöchentlich zur Blutkontrolle, da sich mein Blutbild stark verändern würde und dies ständig beobachtet werden muss. Hauptaugenmerk gilt meinen Thrombozyten (Blutblättchen welche im Knochenmark gebildet werden) und den Leukozyten (weiße Blutkörperchen, welche für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind). Des Weiteren wurde ich darüber aufgeklärt, dass ich keine extremen Sachen machen darf (Verblutungsgefahr) und Menschenmassen tunlichst meiden soll (Ansteckungsgefahr). Therapiebeginn war Freitag der 19.05.2017.

Weiters wurden mit mir die Nebenwirkungen besprochen, welche bei der Radiochemotherapie auftreten könnten. Die wahrscheinlichsten Nebenwirkungen werden Müdigkeit und allgemeine Schwäche sein. Auch die Libido könnte etwas darunter leiden. Außerdem musste ich ab Therapiebeginn Kondome verwenden, da mein Sperma sich unter der Temodaleinnahme ebenfalls verändert. Nach Therapieende muss ich dann noch sechs Monate (ärztlicher Rat ist zwei Jahre Tumorfrei) bezüglich Kinderplanung warten. Es hätte jedoch auch sein können, dass ich überhaupt nicht mehr fortpflanzungsfähig bin. Alle Nebenwirkungen zähle ich aber nicht auf, da dies den Rahmen sprengen würde.

Das Temodal (130mg während der Strahlentherapie) muss morgens bei nüchternem Magen eingenommen werden und erst 45min danach darf gefrühstückt werden. Eine halbe Stunde vor der Temodaleinnahme muss ich noch Zofran 8mg schlucken. Bei diesem Medikament handelt es sich um einen Magenschutz, welcher bei der Temodaleinnahme Standard ist. Die Temodal Zytostatika setzen nämlich Serotonin frei (körpereigener Botenstoff für Brechreiz) und der in den Zofran Tabletten enthaltene Wirkstoff blockiert diese. Auch dieses Medikament hat (wie fast alle Medikamente) Nebenwirkungen, vor allem Verstopfung. So wurde es mir zumindest mitgeteilt. Die Levetiracetam 500mg nehme ich weiterhin morgens und abends ein.

Nach dieser Informationsflut fuhr ich wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause. Öffentlich deswegen, weil ich mein Leben so weiterleben wollte wie bisher und nicht auf irgendjemanden angewiesen sein wollte. Zu Hause angekommen fragte mich meine Frau wie der Termin verlief, jedoch konnte ich ihr darauf nicht wirklich antworten, da ich erstens das meiste wieder vergessen hatte und zweitens, so vieles nicht gefragt habe. So viel zum Thema Merk- und Denkschwäche! Daraufhin entschieden wir, dass ich von nun an bei ärztlichen Vorstellungen und Kontrollterminen immer jemanden dabei haben muss.

Am Dienstag den 09.05.2017 hatte ich dann meinen nächsten Vorstellungstermin bei einer Ärztin am Institut für Radioonkologie-Strahlentherapie, welche die Strahlenbehandlung durchführt. Diesmal fuhr mich mein Vater und er war natürlich auch beim Gespräch mit dabei. Die Ärztin war wirklich sehr nett und hat eine herzliche und gewinnende Art. Man fühlt sich bei ihr so richtig geborgen und gut aufgehoben. Sie teilte uns mit, dass bei Therapiebeginn eine Gesichtsmaske angefertigt wird (im Beratungsraum befand sich auch eine solche), welche meinen Kopf während der Bestrahlung fixiert, um eine möglichst genaue Bestrahlung zu garantieren.

Gesichtsmaske mit welcher der Kopf fixiert wird

Ich selbst werde, auf Grund der Maske, wenig von der Bestrahlung mitbekommen beziehungsweise fühlen. Lediglich ein Summen wird zu hören sein. Auch werde ich bei den bestrahlten Arealen meine Haare verlieren, welche jedoch wieder nachwachsen werden. Es könnte jedoch auch sein, dass bei den bestrahlten Arealen dauerhaft keine Haare mehr wachsen, vor allem dort, wo höhere Strahlendosen erforderlich sind. Diese Prozedur dauert in Summe ca. 15 Minuten, wobei die Bestrahlung selbst lediglich 1-2 Minuten dauert. Bestrahlt werde ich von einem Varian TrueBeam STx Linearbeschleuniger welcher mit Photonenstrahlen (ultraharte Röntgenstrahlen) und Elektronenstrahlen arbeitet. Unterstützt wird das Ganze noch von zwei Catalyst Einheiten, die eine besonders genaue Bestrahlung ermöglichen. Von mir wird nur verlangt, dass ich ein Handtuch mitnehme.

Linearbeschleuniger Varian TrueBeam STx 

Einige Nebenwirkungen überschneiden sich mit der Chemotherapie. Zum Beispiel Müdigkeit, Lustlosigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, usw…

Eventuelle Nebenwirkungen können vermieden bzw. gelindert werden, wenn man Selen (Handelsname Selenase 100 Mikrogramm/2 ml Ampullen) schluckt und Katzenkralle Tee (es handelt sich um eine afrikanische Pflanze welche getrocknet wie Katzenkrallen aussehen) trinkt. Selen normalisiert die Zellteilung, unterstützt die Entgiftung und stärkt die Immunabwehr. Katzenkralle unterstützt ebenfalls die Immunabwehr und hilft bei Verdauungsbeschwerden.

Mitbekommen habe ich außerdem noch ein Infoblatt worauf folgende Punkte besonders zu beachten sind:

*) Waschen Sie Kopf und Haar bitte unter der Woche nur mit lauwarmen bis kühlen Wasser ohne Shampoo, am Wochenende können sie mildes Babyshampoo verwenden

*) Achten Sie bitte auf adäquaten Sonnenschutz (Hut, Kapperl)

*) Auch Johanniskrautprodukte sind absolut verboten

*) Rauchverbot: 2 Stunden vor und nach der Therapie

*) Verzichten Sie auf alkoholische Getränke

*) Homöopathische Produkte / Kräutermischungen / Alternativtherapien bitte mit uns absprechen

Mit diesen Informationen fuhr mich dann mein Vater nach Hause und ich konnte mit seiner Mithilfe alles meiner Frau erklären.